Entwicklung der Infrastruktur
Schule
1833 zählte die Schule 40 Werktags- und 25 Feiertagsschüler bei einer Gesamteinwohnerzahl von 330, welche 1855 bereits 363 betrug. Die Zahl der Schüler stieg immer weiter – 1870 waren es bereits 81 – und der Gedanke an den Neubau eines Schulgebäudes wurde dringlicher. Nach längeren Verhandlungen über den Ort und die Finanzierung konnte 1873 jedoch das neue Schulhaus mit Lehrerdienstwohnung eingeweiht werden – die Kosten lagen bei über 6000 Gulden.
Da 1900 bereits über 460 Menschen in Issing wohnten, davon 95 Schüler, sollte das Schulhaus schnell erweitert werden. Doch zunächst hatte die Erweiterung des Friedhofs Priorität, danach rückten derartige Projekte in Kriegs- und Krisenzeiten in den Hintergrund. Der Plan zum Neubau wurde erst wieder aktuell, als 1947 nach dem Krieg und dem Zustrom der Heimatvertriebenen die Schule zweiteilig wurde. Die Issinger wollten zudem eine landwirtschaftliche Berufsschule für 16 Gemeinden errichten. Schließlich begann man 1954 mit dem Schulhausneubau. Im Herbst 1955 konnten zwei Volksschulsäle, eine Schulküche und ein Unterrichtssaal für die landwirtschaftlichen Berufsschüler in Betrieb gehen.
Rechts eine Aufnahme von der Einweihung des Schulneubaus 1955. Dieses Gebäude hat sich in seinen Grundzügen und abgesehen von mehreren Anbauten bis heute nicht verändert und dürfte auch der heutigen Jugend so bekannt sein.
Das alte Schulhaus wurde nach einer Sanierung an das Deutsche Jugendherbergswerk verkauft: Issing konnte so ab 1958 die einzige Jugendherberge des Landkreises sein Eigen nennen. Die Einnahmen aus dem Verkauf wurden in ein neues Lehrerwohnhaus mit zwei Dienstwohnungen neben der neuen Schule investiert. Die Schule wurde 1960/61 ein zweites Mal erweitert, 1995 ein weiterer Anbau hinzugefügt.
Eröffnung der Postlinie
1912 wurde die Postlinie Landsberg – Weilheim eröffnet . Von nun an ersetzte ein Postauto den Postillon, was eine entscheidende Verkehrsverbesserung bedeutete und den Durchgangsverkehr durch Issing erhöhte. Der Wirt Peter Schwabbauer berichtete jedoch bereits 1735, dass er seine Wirtschaft für Durchreisende herrichtete, „daß hoch und nieder darin logieren könnt“.
Das Bild zeigt die alte Ortsdurchfahrt um 1920 – links zu sehen noch das alte Gasthaus Augl, welches 1933 abgebrannt ist.
Wasserversorgung
Die älteste gemeindliche Wasserquelle befand sich in Issing beim Anwesen „Hunsel“ (Schelle), von wo aus Rohre zum offenen Wasser-Grand führten am Dorfplatz bei der Schmiede, beim Posthalter, Augl, Rosala (Eichberger) und beim unteren Schneidermang (Berger-Kändler).
1910 erweiterte die Gemeinde das Wasserleitungsnetz im Ort mit der Wasserreserve am Kellerberg und einer einfachen Pumpanlage im alten, 1868 erbauten Feuerwehrhaus in der Ortsmitte neben der Linde.
Das Bild zeigt das Anwesen des Dunerbauern. Vor 1910, als es noch keine gemeindliche Wasserversorgung gab, war ein Brunnen mit einem “Gumper“ ein wahre Besonderheit. In der „Höll“ droben gab es die besten Brunnen (des Weiteren auch beim Schober, Uhlabauer und Kini) – in den tieferen Lagen des Dorfes war ein eigener Brunnen meist nicht möglich.
Manch einer der älteren Generation erinnert sich vielleicht noch an die „Wasserschlitten“, die längst nicht mehr zum Wasser holen benutzt, sondern von den Kindern verbotenerweise zur Schlittenfahrt die verschneite „Höll“ hinunter zweckentfremdet wurden.
Die Quelle am Kellerberg erwies sich allerdings mit der Zeit als zu wenig ergiebig, was ab 1928 die Pläne für eine neue Wasserleitung vorantrieb. Diese konnte 1930 zusammen mit den Gemeinden Pflugdorf und Stadl realisiert werden: das Quellgebiet Lechmühlen tat seinen Dienst. Der Wasserspeicher am Kellerberg musste 1952 erneut vergrößert werden. 1964 wurden im Zuge einer größeren Straßenbaumaßnahme die alte Schmiede und das Feuerwehrspritzenhaus abgerissen, doch zum Glück blieb die Kaiserlinde davon verschont.
Friedhof
Wie erwähnt wurde der Friedhof 1908/1909 auf 91 Familiengräber erweitert, 1950 folgten eine weitere Vergrößerung und der Bau eines Leichenhauses.
Links eine Aufnahme von 1950: Einweihung des neuen Friedhofs und Leichenhauses durch Pfarrer Josef Wünsche.
Landwirtschaft und Handwerk
Die Bilder zeigen, wie um 1932 gedroschen wurde. Während man beim Reigla (Haus Zimmermann) noch mit einem sog. Göppel (rechter Bildrand) die Dreschmaschine antrieb – und somit durch die Kraft von Ochsen oder Kühen, drosch man beim Dunerbauer gegenüber bereits mit Dampfkraft (unteres Foto).
Issing entwickelte sich im Laufe der Zeit von einem Bauerndorf zu einem Ort, von dem zahlreiche Arbeiter und Angestellte zu ihren Arbeitsplätzen aufbrechen.
Früher war die Torfgewinnung im „Filz“, das sog. „Wäsastecha“ zwischen Issing und Dettenschwang ein wichtiger Nebenerwerbszweig. Den Torf konnte man gewinnbringend nach Landsberg oder Weilheim verkaufen. Zudem gab es drei Ziegeleien im Ort – noch heute weisen die Einödshöfe „Ziegelstadel“ westlich von Issing daraufhin.
Bild rechts: In Gemeinschaftsarbeit werden hier Filzgräben erneuert.
Auch das Handwerk war in Issing seit jeher gut vertreten: bereits vor dem zweiten Weltkrieg gab es in Issing eine Bäckerei, eine Metzgerei, drei Lebensmittelgeschäfte, drei Gasthäuser, eine Schmiede, zwei Schreinereien, je ein Bau- und Zimmereigeschäft und eine mechanische Werkstätte. 1966 zählte Issing um die 550 Einwohner.
Rechts die alte Schmiede am Dorfplatz nahe der Kaiserlinde.
Dorfökologie
In den 70er Jahren während der Flurbereinigung war in Issing der Naturschutzgedanke immer im Vordergrund, wie der damalige zweite Bürgermeister aus Issing, Andreas Greif, betonte. Die Grünflächen und das Wegenetz wurden neu gegliedert und zahlreiche Schutzpflanzungen entstanden: so z. B. der Naturlehrpfad, ein großes Feuchtbiotop im Bereich der Filze sowie drei Teiche im Issinger Ortsbereich.
Issinger Wahrzeichen "Kaiserlinde"
Wahrzeichen des Ortes ist seit 1853 die Kaiserlinde – sie bildet mit ihren 4,50 Metern Umfang und einer Höhe von etwa 25 Metern einen imposanten Dorfmittelpunkt. Früher stand sie an dieser Stelle wohl neben der alten Dorfkirche und der Schmiede. Pfarrer Wendelin Gschwend pflanzte diesen Baum als Andenken an die Ernennung von Issing zur eigenständigen Pfarrei im Jahr 1845, bevor er Issing Richtung Pforzen verließ. Der Grund für die Pflanzung des Issinger Wahrzeichens war also kirchlicher Natur. Mit der Gründung des zweiten deutschen Kaiserreichs 1871 erhielt die Linde dann den Namen „Kaiserlinde“.
Viel mitgemacht hat der knorrige Baum mit seinen Löchern im Stamm seitdem. 1964 fiel die Linde nach Protest der Issinger nicht der Axt zum Opfer und kann so bis heute nicht nur Naturliebhaber erfreuen.
Auf dem oberen Bild: die Kaiserlinde in vollem Schmuck zu ihrem 100-jährigen Jubiläum 1953. Rechts daneben ist noch das alte Feuerwehrhaus zu sehen, welches 1868 erbaut und 1964 abgerissen wurde. Auf dem Foto unten der imposante Baum heute.













