Pflugdorf entstand – genauso wie Stadl und Vilgertshofen – während des frühmittelalterlichen Siedlungsbaus, Issing und Mundraching hingegen schon im Zuge der alemannisch-bajuwarischen Besiedlung. In der südlichen Gemeindeflur befinden sich ähnlich wie im Frauenwald bei Pürgen oder im Staatswald bei Vilgertshofen Hügelgräber und weisen auf die vorgeschichtliche Besiedlung der Umgebung hin.

Die Edlen von Pflugdorf

Herrschaftliche Familien gab es in Mundraching, Issing und Pflugdorf, wobei das Geschlecht der Pflugdorfer bis ins 13. und 14. Jahrhundert nachweisbar und somit am längsten bekannt ist. Deren Burg war wohl auf der Anhöhe in der Dorfmitte, wo die heutige Kirche steht. Dies ist jedoch nicht sicher, denn bisher konnten weder Ruinen noch Reste einer Burg ausfindig gemacht werden. Oder hatten die Pflugdorfer einen Edelhof als Stammsitz? Einige vermuten diesen auf dem Anwesen mit der Nr. 34, dem Jägerhof, der im 19. Jahrhundert noch ein 200-ha-Gutshof war mit Gebäuden und Stallungen, Säulen und Gewölben – andere beim Schwarzwalder (Haus Nr. 11) oder am Schloßbergl bei der Reserve der Wasserleitung.

Die Edlen von Pflugdorf waren Ministerialen der Welfen und sind in verschiedenen urkundlichen Schriftstücken erwähnt. Stadl war wohl einmal mit Besitz und Kirchensatz Eigentum der Edlen von Pflugdorf. Schon 1020 befindet sich ein Edler von Pflugdorf als Schüler im Kloster Wessobrunn. 1250 wird ein Dietrich de Pflugdorf als Vasall und Lehensherr des Klosters Benediktbeuren genannt.

1299 kauft das Kloster Stams einen Hof in Buchloe aus den Händen der Brüder und Ritter Heinrich, Eberhard, Hermann und Konrad von Pflugdorf. 1293 erwirbt das Kloster Steingaden Großkitzighofen von Eberhard dem Pflugdorfer. 1301 löst das Kloster Dießen von Hermann von Pflugdorf und seinen Söhnen die Pfarrei Oberschondorf wieder ein. 1333 besaßen Hermann der Pflugdorfer und seine Frau Diemut die Pfarrei Issing, die sie in diesem Jahr an das Kloster Dießen übergaben.

Im fortschreitenden Mittelalter jedoch übernahmen vor allem die Klöster Andechs, Dießen, Wessobrunn und Benediktbeuren Besitz und Herrschaft in den Dörfern, in Pflugdorf vor allem Andechs und Dießen. In dieser Zeit entstanden auch die prächtigen Kirchenbauten in den Dörfern.

Kirche St. Laurentius

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Entwicklung der Dorfstruktur

Pflugdorf hatte im 19. Jahrhundert 89 Häuser mit etwa 370 Einwohnern. Auf Ortsplänen von 1848 und 1900 ist bei der Einmündung der Weilheimerstraße in den Zugspitzweg noch ein Dorfweiher eingetragen, zu dem früher die Gänse getrieben wurden. Heute jedoch ist an dieser Stelle nur noch Asphalt zu sehen.

Im 18. Jahrhundert nahm der Waldbestand sehr ab. Auf ausgedehnten Wiesen und Weiden wurde hauptsächlich Milchwirtschaft betrieben. Größter Hof war 1800 der Fichtnerhof N. 34 mit 200 ha Anwesen. Nach der Landwirtschaftszählung von 1960 waren von 599 ha gesamter landwirtschaftlicher Nutzfläche 279 ha Wiesen, 219 ha Äcker und nur etwa 4 ha Wald. 1960 besaßen von den 58 Landwirten rund 30 bis zu 10 ha, die übrigen nur etwa 10 ha Grundstücke. Nach dem Krieg stieg die Einwohnerzahl auf 540, da Heimatvertriebene aus Südmähren aufgenommen werden mussten.

„Grand“
Orstmittelpunkt für die Dorfbewohner war früher der „Grand“, an dem noch heute ein denkmalgeschützter Brunnen aus Gusseisen steht. Dort kamen die Menschen zusammen, tauschten Neuigkeiten aus und genossen es, in der Sonne zu sitzen. Noch heute treffen sich viele Einwohner an dieser Stelle, wenn sie zum Metzger oder ins Gasthaus „Kastanienhof“ gehen.

Gestalterisch soll der Platz zum Ortsmittelpunkt von Pflugdorf als Schlüsselmaßnahme des Dorferneuerungsverfahrens aufgewertet werden.

Straßen

Die Kohlstattstraße (Bild links) ist eine der historischen Straßen in Pflugdorf. Besonders wertvoll erscheint das denkmalgeschützte Kruzifix aus dem Mittelalter an Haus Nr. 7 und die Heiligenfigur am Haus gegenüber. Den „Grand“, die frühere Ortsmitte, ziert ein denkmalgeschützter Dorfbrunnen aus Gusseisen. Ein Fußweg von der Weilheimerstraße zur Kohlstattstraße verbindet das nördliche Baugebiet mit der Bushaltestelle.

Landwirtschaft und Handwerk

Bis 1900 gab es in Pflugdorf etwa 10 Handwerker. Ende des 19. Jahrhunderts konnte das Dorf zwei private Käsereien aufweisen. 1901 gründeten 25 Landwirte eine Molkereigenossenschaft, deren Mitgliederzahl um 1960 etwa 58 betrug. Die jährliche Milchlieferung ist in 50 Jahren um das Dreifache gestiegen und betrug um 1960 etwa eine Million Liter Milch.

Lebensmittel konnten gekauft werden im Kramerladen beim Düringer in der Kohlstattstraße sowie im Gemischwarenladen beim „Bonsl“ in der heutigen Weilheimerstraße. Es ist nicht mehr nachvollziehbar, wie lange dieser Laden schon existierte. Die „Handlung von Gemischtw.“ (so die Aufschrift des Ladenschilds, siehe Bild) führte nicht nur Nahrungsmittel, sondern viele Dinge des täglichen Gebrauchs.

Laut einer Betriebsstättenerhebung in den 1960er Jahren gab es mittlerweile 25 Arbeitsstätten, darunter 15 Handwerker, 3 Kaufläden und ein größeres Fuhrunternehmen, jedoch nur noch eine Schmiede. Dies deutet auf die strukturelle Wandlung des Dorfes hin.

Schule

Nach dem Antrag der Gemeinde im Jahr 1858 durfte Pflugdorf ein eigenes Schulhaus mit zwei Schulsälen und einer Lehrerdienstwohnung bauen – die Pflugdorfer Kinder mussten nun nicht mehr nach Stadl zur Schule gehen. Baubeginn war 1864, zwei Jahre später konnte der Schulbetrieb unter Lehrer Georg Gumposch aufgenommen werden.

Ab 1910 unterrichtete man bereits in zwei Klassen. Während des Krieges 1941 besuchten die Pflugdorfer und Stadler Kinder wieder die gleichen Klassen. 1962 wurden die Volksschulen Pflugdorf und Stadl zu einer zweiklassigen Volksschule zusammengeführt, wobei die Unterklasse im Stadler Schulhaus und die Oberklasse in Pflugdorf unterrichtet wurde.

Vereine

Der älteste Verein ist der Schützenverein Frohsinn Pflugdorf, der 1863 gegründet wurde. Der Veteranenverein weihte 1920 seine Kriegsfahne. Im gleichen Jahr rief Ludwig Krippner die Musikkapelle Pflugdorf ins Leben. Zwischen den Kriegen bestand ein Theaterverein (Bild links), der heute nicht mehr existiert. 1907 gründeten 67 Landwirte einen eigenen Darlehenskassenverein und verließen somit den Stadler Verein, zu dem sie vorher gehörten. So entstand die Raiffeisenkasse Pflugdorf.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts fasste die Idee der freiwilligen Feuerwehr auch in Bayern Fuß, denn ein Brand bedeutete für die Bauern oft den totalen Ruin. Auch in Pflugdorf und Stadl wurden 1874 Feuerwehren gegründet. Die Gründung der beiden Wehren ist erstmal in einer Veröffentlichung des Bezirksamtes Landsberg vom 16 Juni 1889 erwähnt. Demnach gibt es die Feuerwehr Stadl seit 24.4.1875, die Feuerwehr Pflugdorf seit 3.5.1875. Eines der ältesten Dokumente der Stadler Wehr ist ein Diensttaschenbuch des Feuerwehrmannes Franz Xaver Bauer von 1883. Darin sind die Ausrüstungsgegenstände eines damaligen Feuerwehrmannes – Helm, Gürtel mit kurzem Seil, Beil und Schlauchhalter – beschrieben. 1878 wird vom Bau eines neuen Feuerwehrhauses berichtet, in dem die Handspritze untergebracht wurde.

1910 wurden eine neue Uniformierung beschlossen und neue Uniformröcke und Helme angeschafft. Zur Finanzierung konnten die Wehrmänner einen Kredit aufnehmen, jeder hatte seine Uniform innerhalb von vier Jahren abzubezahlen.

In der Nachkriegszeit wurden die Gerätschaften beider Wehren erneuert. Die Pflugdorfer Wehr ersetzte ihre Handspritze mit Pferdegespann durch eine Motorspritze TS 4, und 1959 wurde ein VW-Bus als Feuerwehrauto angeschafft. 1961 ersetzte man die TS 4 durch eine TS 8. Die Stadler Feuerwehr kaufte 1951 eine Motorspritze TS 4 mit Transportwagen und nötiger Ausrüstung.

Zusammenschluss zur FFW Pflugdorf-Stadl
1969 begann man mit dem Bau eines neuen Feuerwehrhauses, das in das neue Rathausgebäude integriert wurde. 1970, nach fast 100-jähriger Vereinsgeschichte, schlossen sich im Zuge der Gemeindezusammenlegung auch die beiden Wehren Pflugdorf und Stadl zusammen zur Freiwilligen Feuerwehr Pflugdorf-Stadl. Diese zählt heute zu den stärksten Stützpunktfeuerwehren des südlichen Landkreises.

Das alte Forstamt im Pflugdorf

1803 wurde im Zuge der Säkularisation das Forstwesen in das Zuständigkeitsgebiet des Bayerischen Finanzministeriums eingeteilt. Jede Provinz in Bayern musste eigene Forst-Sektionen errichten und einen Referenten zuteilen. Die Wälder jeder Provinz wurden unterteilt in Inspektionen, diese in Oberförstereien, diese wiederum in Forstreviere.

Pflugdorf war der 1. Inspektion Friedbergs und, in höheren Verwaltungsbereichen, dem Amtsbereich München unterstellt. Für den Ort wurde Joh. Nep. Schilcher als „Oberförster“ und Betriebsleiter zugeteilt – Pflugdorf war also „Oberförsterei“. Sein Dienstgebäude befand sich im ehemaligen Prioratsgebäude des aufgehobenen Klosters Wessobrunn in Vilgershofen. Der „Oberförsterhof“ (privater Wohnsitz) befand sich in Haus Nr. 34 in Pflugdorf und war ein 1/2 Hof mit 107 Tagwerk Grundfläche der Familie Schilcher.


Wichtige Aufgabe des Forstamtes Pflugdorf war die Vermessung der Forstentschädigungsgründe und die Vermessung und Vermarkung des entstandenen Staatswaldes. Das Personal des Forstamtes wurde zu Geometern ausgebildet und sollte den wenigen Landvermessern zur Seite stehen. So entstand das Urkataster mit den ersten Messtischkarten. Bis ins Jahr 1808 dauerten die Vermessungen an, die von Michael Gigl, Förster des Reviers Vilgertshofen sowie Georg und Mathias Rauch aus Gimmenhausen, Förster des Reviers Vilgertshofen, ausgeführt wurden.

Verantwortung für viele Reviere

Folgende Reviere gehörten zum Forstamt Pflugdorf: Utting, Dießen mit Raisting, Wessobrunn mit Forst, Vilgertshofen mit Gimmenhausen und Hofstetten, Peißenberg und Peiting mit Rudersau. 1825 kamen die Revieren Lichtenberg, Moorenweis, Schöngeising sowie Längenmoos und Stetten dazu.

Das Forstamt Pflugdorf umfasste 1823 über 48.000 Tagwerk Staatswald sowie über 27.000 Tagwerk Privatwald, der Amtsbereich umfasste eine Stadt, einen Markt, 64 Dörfer, 19 Weiler und 43 Einöden.


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