Die Stumme Prozession von Vilgertshofen

Den Höhepunkt im Festkalender der Gemeinde bildet jedes Jahr das „Vilgertshofer Fest“ mit seiner bayernweit einmaligen „Stummen Prozession“. Seit 1708 feiert die „Marianische Bruderschaft zur Schmerzhaften Muttergottes von Vilgertshofen“ am Sonntag nach Mariae Himmelfahrt (15. August) ihr Titularfest. Seit 1730 findet dabei auch ein Umzug durch die Fluren mit Darstellungen aus der Leidensgeschichte Jesu statt.

Wurden zunächst bildliche Darstellungen aus der Bibel mitgetragen, stellen Bürger aus der Pfarrei seit den 1870er Jahren selbst Figuren aus dem Alten und dem Neuen Testament dar. In alten, an den Oberammergauer Passionsspielen orientierten Gewändern schreiten Abraham und Isaak, Josef und seine Brüder, Moses, König David, Judith und Esther, Pontius Pilatus, Judas und die Hohenpriester, die Mutter Gottes und schließlich Jesus mit dem Kreuz durch den Ort. Sie werden begleitet von Engeln, Pagen und Blumenmädchen. Mehrere Marienfiguren werden in der Prozession mitgetragen, ebenso die Fahnen der örtlichen Vereine.

Die Stumme Prozession von Vilgertshofen ist das letzte Beispiel einer volkstümlichen Barockprozession in Bayern. Sie hat Kriege, staatliche und kirchliche Verbote überstanden und erfreut sich nach wie vor höchster Wertschätzung in der ganzen Region.

Begleitet werden das Hochfest und die Prozession von einem Jahrmarkt, in dem fahrende Händler entlang der Dorfstraße ihre Waren verkaufen, und vom Bierzeltbetrieb vor der ehemaligen Gastwirtschaft. Beides gibt dem kirchlichen Fest einen sehr weltlichen Rahmen, ist aber sicher auch ein Grund dafür, dass jedes Jahr mehrere tausend Besucher zum „Vilgertshofer Fest“ kommen.